Von der Vision zur Realität

ELKE PARK, DIPL.-ING. UND INNENARCHITEKTIN, PARKRAUM – KONZEPTE UND CONSULTING

Eine kleine Gebrauchsanweisung für den richtigen Weg hin zu einer neuen Architektur: Entscheidend ist, dass der Bauherr konsequent und von Anfang an ganzheitlich in die Planungskonzepte eingebunden ist. Dann gelingt der Sprung von der Vision hin zum attraktiven, modernen Gesundheitshaus mit Wohlfühlambiente. Eine große Chance gerade für den Orthopädie-, Rehatechnik- und Sanitätsfachhandel.

Der Weg ist das Ziel“ – ein Zitat des berühmten chinesischen Philosophen Konfuzius. Dieser Spruch ist auf drei Lebensweisheiten zurückzuführen: Ausdauer, Glück und Motivation. So lehrt es ein Architekturprofessor seinen Studenten, um ein Studium bis zum Ende erfolgreich durchzuziehen.
Transferieren wir diese Anleitung in ein Bauprojekt heutzutage, so soll es uns begreiflich machen, dass zum Entstehen eines Baukörpers mit einem bestimmten Inhalt von Raumstrukturen spezielle Planungsprozesse relevant sind.
In der Orthopädietechnik wird kaum noch ein Holzbein als Prothese eingesetzt, Hightech ist State of the Art und viele Entwicklungsabschnitte wurden durchlebt bis zur aus Carbon gefertigten und per Computerchip gesteuerten Prothese. Die Bauwelt ist Hochtechnologie, von der Planung via CAD-Zeichenprogrammen bis zum Einsatz von nachhaltig effizienten Materialien.

Bereit für den Startschuss

Die neue Generation Mensch hat hohe Ansprüche an sich und ihre Umgebung, vor allem, wenn es die eigene Person betrifft. So müssen heutzutage spezielle Fachbetriebe nach den Vorstellungen dieser transformierten Gesellschaft ausgerichtet sein und die Außenwirkung muss sich als positiv und einzigartig behaupten können.
Damit der Ideenpool eines Bauherren mit den innovativen Bausteinen von Design & Technik zusammenspielt, sollte zunächst ein Brainstorming oder Workshop mit branchenaffinen Planern gestartet werden.
Anhand von Impulsen und bearbeitetem Fragenkatalog können die wahren Bedürfnisse und das Raumprogramm austariert werden: Schlussendlich geht es dabei um die Kernfrage, welche Anzahl Räume wie viele Quadratmeter im Gesamtgefüge benötigen. Veränderte Kun-denabläufe müssen sich im Raumprogramm widerspiegeln.
Die zukünftige Strategie und fachliche Orientierung eines Betriebes sollte zudem vorab intern diskutiert worden sein, damit sich in einem Workshop das nötige Profil noch eindeutiger herauskristallisiert. Vorlieben hinsichtlich der Bauform und Anmutung eines Gebäudes formulieren mit den tabellarisch zusammengefassten Anforderungen das Portfolio zum Wunschgebäude als ersten Schritt für die Umsetzung.

Offen für externes Know-how

In puncto Logistik ist Vorsicht geboten: Die Größe eines Hauptlagers wird oft unterschätzt, eine gewisse Flexibilität mit Blick auf eine zukünftige Erweiterung ist sinnvoll und die Lage zu den Fachbereichen ist nicht unrelevant.
Wie etabliert sich Innovation im Handwerk in der Werkstatt mit der Gebäudearchitektur? Die Pfeiler eines Betriebes bilden die Werkstätten im Reha-, OT- und OST-Bereich. Wie diese nach neuartigen Prinzipien ausgestattet sind, ob die Mit-arbeiter noch an ihren Werkbänken arbei-ten oder sogenannte Versorgungsbilder mit rotierendem System entstehen – das alles wirkt sich auf die Raumabfolge und Raumgröße aus. Ist zum Beispiel ein Gipsraum noch sinnvoll?
Die räumliche Anordnung der verlängerten Verkaufstheke und die Anproben sind vor allem im planerischen Fokus und als Schnittstelle zur Ladenfläche zu berücksichtigen sowie im Zusammenhang zu den Werkstätten: ein Jonglieren der Raumkörper.
Waren es unlängst noch reine Versorgungseinheiten, wird jetzt mehr Wert auf Raumgröße und Kommunikation mit den Patienten bzw. Kunden gelegt. Kartonlandschaften im Showroom sind out, ein geschickt angeordnetes Nahreservelager lässt mehr Freiraum, die Kompetenzen auf der Showroomfläche gezielt zu präsentieren.
Dieser zweite Schritt auf dem Weg zur Realisierung ist das Entwurfskonzept, das nur von Fachplanungsbüros für Architektur und/oder Innenarchitektur auf Grundlage einer fundierten und kompetenten Ideenqualität erarbeitet wird.

Neue Dimensionen sichtbar machen

Das Entwurfskonzept als erstes Ideenkonzept übersteigt oft schnell die Vorstellungskraft des Bauherren. Anhand von Plänen werden Grundrisse und Ansichten gezeichnet, zusätzlich als 3D-Visualisierung performt. Außerdem lässt sich durch ein Farb- und Materialkonzept meist aus Echtmustern noch mehr Vorstellungskraft gewinnen. Die Bauherren sind auf einer Diskussionsebene mit den Fachplanern und zugleich Teamplayer im Ideenkonzept.
Wer aber entscheidet? Die nächste Phase für einen Bau ist die Ausführungsplanung: Der Weg wird das Ziel. Die Pläne müssen inhaltlich abgewogen werden. Das Ideenkonzept wird konkret. Parallel dazu sollten die planenden Fachingenieure und Fachleute für eine Baubetreuung integriert werden. Ein Kostenplan ist mit dem zur Verfügung gestellten Budget zu überprüfen, was einer qualifizierten Projektsteuerung förderlich ist.
Der Dirigent ist und bleibt bei allem der Fachplaner, oft mit Innenarchitekt gepaart, um die zu Beginn formulierten Anforderungen und gegebenenfalls neuen Einfälle der Bauherren professionell zu koordinieren. Denn effiziente und professionelle Planung schont die Finanzen.

Budget versus Ambiente

Elke Park Foto: Parkraum

Materialdetails und Technik bestimmen diese Phase in der Ausführungsplanung besonders, Pläne werden verworfen und neu konzipiert. Der Grundriss ist das Basisgerüst der Konzeption; wird nur ein „Baustein“ verworfen, ergeben sich neue Planstrukturen. Mit Blick auf die noch unbekannten Erfahrungen mit der Digitalisierung in verschiedenen Bereichen, ob im Shop oder in der Werkstatt, entstehen beispielsweise gleich mehrere Planvarianten; oder plötzlich muss noch ein Drive-In- Schalter in die bestehenden Pläne integriert werden.
Pragmatismus lehrt der Verstand, aber Wohlfühlambiente ist das Marketing für eine „Gesundheits-Firma“ schlechthin. Exakt in diese Richtung, also über das Rezept hinaus, muss sich der Verkauf von Gesundheitsprodukten orientieren. Aus diesem Grund dürfen nicht alle Finanzmittel allein in die Hülle eines Gebäudes fließen.
Gerade im Innenraum sind Showroom und Kabinen die relevanten Räume für Kunden. Neben der gesamten Gebäudetechnik gilt hier dem Lichtkonzept ein besonderes Augenmerk. Hinsichtlich der atmosphärisch sehr wichtigen Wirkung und der damit verbundenen Kosten sollte man aber nicht am falschen Ende sparen.
Ebenso wichtig ist beim Thema Büros und Werkstätten die Identifikation eines Mitarbeiters mit seinem Betrieb: Licht und Akustik müssen auch in diesen Bereichen ein positives Ambiente bewirken. Für den Veranstaltungsraum wiederum können verschiedene Konzepte ins Rennen gehen: vom Relaxbereich bis zur flexibel veränderbaren Fläche als Seminarraum ist alles möglich.

Last but not least: Der Bau per se

Die Endphase der Umsetzung, genannt Bauleitung oder Objektbetreuung, ist oft gespickt von unvorhersehbaren Ereignissen. Zum einen kann es möglich sein, dass kontaminierter Boden gefunden wird; zum anderen, dass kein Handwerker mehr parat steht und eine exorbitante Steigerung der Kosten für Baumaterial zu Buche schlägt. Vor allem dann gilt es, im Team (Bauherr und Fachplaner) gemeinsam Lösungen zu finden.

Souveränität mit Design

Schwebende Mannequins auf sich hoch und herunter bewegenden Stühlen – perfekt ausgeleuchtet. Warum nicht?Foto: Visplay GmbH

Eine neue Architektur verkörpert Fortschritt und Moderne. Die Branche hat noch ein starkes Wachstum zu erwarten, denn die Kunden werden mehr und haben höhere Qualitätsansprüche. Mit der gestiegenen Erwartungshaltung der Kunden und Mitarbeiter an einen Fachbetrieb wächst die Herausforderung in der Branche für alle am Bau Beteiligten, allen voran Bauherr und Fachplaner.
Keine Branche vereint Technologie und Wohlfühlambiente so sehr auf einer Ebene wie die Gesundheitsbranche. Aus diesem Grund treffen Fachplaner und Raumdesigner auf immer neue Dimensionen des baulich Machbaren. Die Bauherren sollten keine Chance auf Visionen auslassen und der Anleitung der Planer folgen, um gemeinsam ans Ziel zu gelangen.
Es ist im Kern nebensächlich, ob es um einen Neubau, ein Bestandsgebäude oder ein oder zwei zusätzliche Stockwerke geht: Die Planungsprozesse müssen konsequent einer Konzeptstrategie folgen, die ein von Bauherr und Fachplaner gemeinsam entwickeltes Profil und schlüssiges Flächenkonzept umfasst. Erst dann gelingt es ansatzweise, die Vision im Rahmen der Realisierung erfolgreich miteinfließen zu lassen.

© MTD-Verlag 2021; erschienen in der Fachzeitschrift MTD, Ausgabe 10/21 des MTD-Verlages (www.mtd.de)